Infos für Eltern

Der Begriff KISS bedeutet:

K   =   kopfgelenks

I     =   induzierte (verursachte)

   =   Symmetrie

S    =   Störung

Um das KISS-Syndrom verstehen zu können, braucht man einige Hintergrundinformationen:

Immer, wenn in einem Gelenk das freie Gelenkspiel aufgehoben ist, spricht man von einer Blockierung des Gelenkes. Besteht diese Blockierung im Bereich der Wirbelsäulengelenke spricht man auch von einer segmentalen Funktionsstörung.

Ist die Blockierung in den oberen Kopfgelenken, vor allem in den Gelenken zwischen dem obersten Halswirbel und der Basis des Schädels, so nennt man sie auch „Atlasblockierung“. Die segmentale Funktionsstörung der so genannten C0/1 Region ist die Ursache des  KISS-Syndroms. Besteht eine Atlasblockierung über mehrere Wochen, so zieht sie fast immer eine Blockierung des Übergangs zwischen Hals und Brustwirbelsäule, der mittleren Brustwirbelsäule und der Becken-Lendenregion (hier vor allem eine Kreuz-Darmbeinblockierung oder ISG Blockierung) nach sich.

Auf den kleinen Schädel und die Halswirbelsäule des Babys wirken schon bei einer normalen Geburt massive Druck- und Zugkräfte ein. Kommt es zu Geburtskomplikationen, werden diese Kräfte noch verstärkt. Besonders die Schädelbasis mit ihren Öffnungen für Rückenmark und Hirnnerven bekommt diese Kompressionskräfte zu spüren.

KISS-Babys weisen eine Vielzahl von Symptomen auf. Die häufigsten und auffälligsten  Symptome sind eine asymmetrische sensomotorische Entwicklung, anhaltendes, unstillbares Schreien, Stillprobleme und über die Maße starke Bauchkoliken.

Wie der Begriff schon sagt, ist das Baby mit einem KISS-Syndrom in seiner normalen, symmetrischen Entwicklung gestört. Je nach Ausprägung der Symmetriestörung entwickelt es eine mehr oder weniger deutliche Lieblingsseite.

Das Baby zeigt die typische Kopfvorzugshaltung eines KISS-Babys: Der Kopf ist zur einen Seite gedreht und zur anderen Seite geneigt. Sie nimmt diese Kopfhaltung zu einem hohen  Prozentsatz auf einer Seite ein. Dreht sie den Kopf auf die andere Seite, kann sie ihn nicht so weit drehen oder die Gegenschulter wandert mit. Man sieht auch deutlich, wie sich die Kopfasymmetrie auf die gesamte Haltung des Babys auswirkt.

Beim kleinen Säugling fällt den Eltern vor allem die Vorzugshaltung des Kopfes auf. Das Baby hat den Kopf die meiste Zeit nach einer Seite gedreht, wobei die Dinge auf der anderen Seite scheinbar uninteressant sind. Oft sind die kleinen Babys auch durch einseitiges Trinken an der Brust auffällig, bis hin zur einseitigen Brustentzündung der Mama. In der weiteren Entwicklung dreht sich das Baby vorzugsweise auf eine Seitlage, es mag nicht gerne auf dem Bauch liegen oder es kippt immer über eine Seite um. Entwicklungsschritte wie Drehen, Kreiseln, der Gartenzwerg oder der Seitsitz werden bevorzugt auf einer Seite durchgeführt oder gleich ausgelassen

Beginnt das Baby zu Laufen, dreht es häufig ein Beinchen mehr nach innen (oder selten nach außen).

Durch die asymmetrische Lage hat sich der kleine Kopf verformt.

Besteht beim kleinen Säugling eine  Kopfvorzugshaltung über längere Zeit, kommt es durch die weichen Schädelknochen relativ schnell zu deutlichen Verformungen des kleinen Schädels. Diese Verformung bewirkt wiederum, dass der Kopf in der Rückenlage automatisch in die Zwangslage gedreht wird, es entsteht quasi ein Teufelkreis, den man möglichst schnell unterbrechen muss, damit der kleine Kopf wieder symmetrisch werden kann.

Neben den beschriebenen Asymmetrien neigen kleine  KISS- Babys zum Streckmuster. Dies zeigt sich vor allem dadurch, dass kleine Babys dauernd senkrecht getragen werden wollen, sie „schummeln“ sich aus der Beugehaltung  raus und überstrecken den Kopf  in jeder Position. Sie fühlen sich sowohl in der Rückenlage als auch vor allem in der Bauchlage nicht wohl. Sie vermeiden die Rotation der Wirbelsäule und schaffen dadurch keine oder nur einseitige Bewegungsübergänge. Ältere Babys quengeln so lange, bis Sie hingesetzt werden oder an den Händen gehalten im Streckmuster stehen. Das führt in der Folge oft zum Auslassen der Krabbelphase und zum frühen unterstützen laufen oder Poporutschen.

Da Babys mit KISS-Syndrom neurologisch gesunde Babys sind, können viele diese Symptome ganz hervorragend kompensieren. Sie durchlaufen eine scheinbar ganz normale sensomotorische Entwicklung Nur bei  genauer Betrachtung, sieht man feine Asymmetrien und mangelnde sensomotorische Qualität.

Abgesehen von den sensomotorischen Problemen gibt es eine Reihe weiterer  Symptome, die auf eine KISS Problematik bei Babys hinweisen:

Diese anderen Symptome sind:

  • Trinkprobleme
  • Schwallartiges Spucken
  • Vermehrte kolikartige Bauchschmerzen
  • Probleme, den Darm zu entleeren, obwohl der Stuhlgang weich ist
  • Probleme beim Entblähen
  • Schwitzige, nasskalte Füßchen, die nicht warm werden, wenn Socken angezogen werden
  • Ständiges Quengeln, dauernde Unzufriedenheit
  • Häufiges, oft unstillbares Schreien ohne sichtlichen Grund
  • Fehlendes Anpassen an neue Situationen
  • Viel zu frühes Fremdeln
  • Übererregbarkeit bei Reizen, besonders auf Geräusche
  • Vermehrte Schreckreaktionen
  • Persistierende (fortbestehende) Restreflexe hier besonders Moro, ATNR, TLR und STNR
  • Fehlender Trink- und Schlafrhythmus
  • Ein- und Durchschlafprobleme
  • Einseitige Hüft-Reifeverzögerung
  • Einseitige Sichelfußhaltung 

Was sind die Ursachen des KISS-Syndroms?

  • Langandauernde Zwangslagen im Mutterleib (z.B. bei Mehrlingsschwangerschaft)
  • Schwere Geburten mit Geburtsstillstand
  • Egal ob schnelle oder langwierige Geburt: immer dann, wenn die Geburt zwischen Mutter und Kind nicht harmonisch – im Einklang miteinander – verlief
  • Saugglocken- oder Zangengeburten
  • Sternguckerkinder
  • Nabelschnurumschlingungen
  • Kaiserschnitte

Die Hauptursache für eine Atlasblockierung sind unphysiologische mechanische Krafteinwirkungen auf die obere Halswirbelsäule vor, während und kurze Zeit nach der Geburt Beispiele für unphysiologidchr Krafteinwirklungen sind:

Noch viel mehr Informationen über die KISS- Problematik, Auffälligkeiten in den jeweiligen Entwicklungsabschnitten sowie über die Zusammenhängen zwischen KISS Syndrom und persistierenden frühkindlichen Reflexen finden Sie in meinem Buch „Im Leben Fuß fassen“. Dieser Text hier ist ein Auszug davon.