Die Wurzeln von KISS und der IAK

Schon während meiner Physiotherapie Ausbildung in München fühlte ich mich ganz besonders zur Pädiatrie und Neurologie hingezogen. Während eines Praktikums im „Spastikerzentrum München“ (so hieß das damals wirklich) hatte ich meinen ersten Kontakt zu schwer mehrfach behinderten Kindern, die mich von da an mein ganzes Berufsleben begleiten sollten. Die ersten Berufsjahre arbeitete ich nach Absolvierung eines Kinder Bobath Kurses im mobilen Dienst im südlichen Oberbayern. Mit Hausbesuchen, Einsätzen in Sonderschulen und Kindergärten, aber auch in der Früh Therapie bei einem Kinderarzt vertiefte und erweiterte ich mein Wissen im kompletten Spektrum der Pädiatrie. Der Schritt zur Selbstständigkeit mit einer eigenen Praxis mit dem Schwerpunkt Pädiatrie und Neurologie war dann nur logisch.

In diese Zeit fiel auch die Familiengründung. 1979 wurde mein Sohn Florian, 1981 meine Tochter Marei geboren. Eigene Kinder sind immer Wegweiser im Leben. Und für mein Berufsleben war Florian der absolute Wegweiser. Nach einer komplizierten Liegeschwangeschaft mit Cerclage und Wehenhemmern kam er nach einer dramatischen 48 Stunden dauernden Geburt per Notkaiserschnitt zur Welt. Nichts war so, wie ich mir das vorgestellt hatte, er hatte unstillbare Schreiattacken, das Stillen klappte nicht, er entwickelte Hautekzeme uvm. Eben ein klassisches KISS Baby, nur dass es damals diesen Begriff nicht gab. In der Sensomotorik entwickelte er Kompensationsmechanismen, er würde das klassische höher – größer – weiter Kind. Auch in der psychosozialen Ebene zeigten sich Auffälligkeiten. All das konnte ich damals nicht einordnen, es war nur ein Gefühl, dass er irgendwie „ein Problem“ hatte. Als in der ersten Klasse dann noch eine Lese – Rechtschreibschwäche dazu kam, machte ich mich endgültig auf die Suche, nach der Ursache seiner Probleme.

Das ist mein Sohn Florian und sein Sohn

In dieser Zeit gab es die ersten Erkenntnisse über die Auswirkungen einer „Atlasblockierung“ auf die Entwicklung von Kindern. Besuche bei einem manual therapeutisch arbeitenden Orthopäden bewirkten bei Florian eine deutliche Verbesserung seiner Symptome und so war mein Interesse an dieser Therapieform geweckt.

Von Anfang an war manuelle Therapie bei Babys und Kindern umstritten und auch über  das KISS Syndrom wird bis heute kontrovers diskutiert. So war es eine glückliche Fügung, dass ich mit Dr. Wildgruber  einen Arzt und Manualtherapeuten fand, der sich mit mir zusammen für die Therapie der Kiss Babys und Kinder einsetzte. In gemeinsamen Vorträgen und Fortbildungen entwickelten wir empirisch ein erstes Therapie Konzept für die KISS Symptomatik.

Im Laufe der nächsten Jahre wurde immer klarer, dass eine manual – osteopathische Behandlung beim KISS-Syndrom allein nicht ausreichend ist. Da eine Atlasblockierung ein unreifes sensomotorisches System trifft, braucht es neben der Lösung der segmentalen Funktionsstörung eine Nachbehandlung, die genau auf die jeweiligen Symptome des Babys oder Kindes abgestimmt ist.

Immer neue Erkenntnisse über die Auswirkungen des Kiss Syndroms ließen das Konzept in viele Richtungen wachsen. Bereiche wie persistierende frühkindliche Reaktionen, orale Restriktionen, Beckenbodenproblematik, Edukinestik oder sensorische Integration sind in das Therapiekonzept integriert worden.

In der Zwischenzeit wird das Kiss therapy concept Monika Bauer in der Schweiz, Österreich, Tschechien und Deutschland unterrichtet. Dabei werde ich zunehmend von meinem jungen, engagierten Referententeam unterstützt, das einmal meine Therapieidee weiter tragen wird.

Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass mein Therapiekonzept  vielen Babys und Kindern hilft, im Leben besser zurecht zu kommen. Gerade die Kinder der heutigen Zeit mit ihrer Reizüberflutung, der immer stärker werdenden Hektik und wenigen Möglichkeiten, „artgerecht“ groß zu werden, benötigen diese Therapie ganz besonders.

Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, empfehle ich Ihnen meine zwei Bücher.